RDXC 2007
Hier der Bericht vom MCI Ausbildungskontest 2007
Kaum zu glauben, die Ersten waren am Samstag schon
um 7:30 am Pfadi-Gelände. So umra 8 Uhr morgens war dann doch wahrhaftig die
komplette und höchst bewährte Mannschaft da, um kräftig anzupacken: Drei Masten
mussten aufgestellt werden, mit dem Pfadi-Mast waren dann vier Masten im
Einsatz. Hatten wir noch nie. Verwendet wurden ein brandneuer 64m langer
Kelemen-Dipol für 160m und 80m, der überwiegend in 14m Höhe hing, ein alter
Kelemen-Dipol für 40, 20,15 und 10m, 11m lang und als inverted V aufgehängt mit
15m Scheitelhöhe sowie eine uralte R7 Vertikal von 7m Höhe von
Cushcraft, die wir auf einen 12m hohen Steckmast setzten, so dass die Spitze
immerhin fast 20m hoch in den Himmel ragte.
Im shack kam dann zum ersten Mal der neue,
OV-eigene TS-480 zum Einsatz sowie die übrige, inzwischen ja schon sehr bewährte
Technik.
Klaus-Jürgen mass die Antennen mit seinem AEA
antenna analyzer durch. Die R7 lag trotz ihres komplexen und filigranen
Aufbaus auf Anhieb gut und funktionierte später im Contest-Betrieb meistens
wesentlich besser (2 bis 3 S-Stufen) als der 40/20/15/10m Kelemen-Dipol -
allerdings bis auf unser einziges QSO mit Australien auf 15m. Der VK5
wollte uns mit der R7 nicht ins Netz gehen, mit dem Kelemen-Dipol klappte es
dann.
Die Messung auf 160m ergab, dass der Dipol zu lang
war (die Aufbauhöhe war mit weniger als 0,1 lambda ja auch wirklich sehr niedrig
(das wäre dasselbe, als wenn man eine für das 2m-Band dimensionierte
Antenne so in ca 18cm Höhe aufbauen würde....). Leider vertrauten wir darauf,
dass der in den TS-480 integrierte automatische Antennentuner das schon schaffen
würde. Tat der aber nicht. Merkten wir allerdings erst, als es schon dunkel war.
Wir konnten auf 160m daher nur den kleinen Streifen von 1840 bis 1860 KHz
nutzen. Oberhalb von 1860 stieg der tuner aus und damit sank die HF-Leistung auf
unter 20W. Ein bißchen wenig für einen SSB-Contest.
Dank des eingespielten Aufbau-Teams standen bzw.
hingen die Antennen komplett bis kurz nach 10 Uhr. Tolle Leistung!!
Dann wurde die Station im - Toms Gasheizung sei's
gedankt - inzwischen mollig warmen shack aufgebaut. Die
aufwendigen Abstimmarbeiten an unserer
FD-ant konnten beim RDXC wegen der drei "maßgeschneiderten" Antennen entfallen,
so dass wir um 11:30 mit der Erklärung der Station beginnen und pünktlich
zum Contestbeginn um 13 Uhr loslegen
konnten. 10m war komplett tot, auf 15m kaum etwas zu hören; wir fingen also auf
20m an. Wolfi loggte das erste QSO um 12:01 UTC auf 20m - gleich ein
10-Punkte-Russe; prima!!
Insgesamt waren die Bedingungen wohl schlechter als
letztes Jahr, aber dafür waren die Antennen besser und das team im Durchschnitt
etwas schneller: Wir schafften mit 394 QSOs 12 QSOs (3%) mehr als letztes Jahr,
aber erzielten statt6,9 Punkten/QSO nur 6,5 Punkte/QSO im Durchschnitt und damit
insgesamt fast 4% weniger Punkte als letztes Jahr. Was uns rausriss und uns
insgesamt ein um 8% höheres Ergebnis, nämlich 553.350 Punkte anstelle der
510.485 Punkte vom letzten Jahr einbrachte, war die wesentlich höhere Zahl von
Multiplikatorpunkten: Wir schafften auf den 5 Bändern von 160m bis 15m 115
DXCC-Länder und 102 russische Oblaste, also einen Multiplikator von 217 im
Vergleich zu den 193 vom letzten Jahr. Die 24 zusätzlichen Multiplikatorpunkte
brachten uns immerhin über 60.000 zusätzliche Punkte i.V. zum letzten Jahr.
Nicht schlecht!! Glückwunsch an die 5 OPs, die die vielen Multis nicht nur
hörten, sondern auch arbeiteten!
Erwähnenswerte Multis waren: 9N7 (Nepal), YB
(Indonesien), A6 (Vereinigte Arabische Emirate), VK5 (Australien) und ZS9
(Südafrika) auf 15. Dann tauchten plötzlich aus dem Nichts 4 Brasilianer
auf 15 auf und 2 Minuten vor Contestende schaffte Tom doch wahrhaftig noch den
einzigen Kanadier auf 15m. Da floss das Adrenalin!!
Auf 20m schafften wir Japan, was heutzutage gar
nicht mehr so einfach ist (schon gar nicht in SSB mit 100 W), Kirgisistan (EX9)
und Island (TF3)
Prima waren auch QSOs mit Luxembourg (LX) und
Liechtenstein (HB0) auf 160, 80 und 40, Kuwait (9K2) auf 40, 20 und
15m, Marokko (CN2) auf 80m (!!), Island (TF) auf 20m und die Türkei (TC2) auf
160m. Insgesamt also eine wirklich fette Beute an interessanten Multis -
speziell wenn man sich vor Augen hält, dass das ja alles in SSB und dann
noch mit nur 100 W sowie verhältnismäßig simplen Antennen erreicht
wurde.
Das Stationsangebot war Angesichts der Tatsache,
dass der RDXC ja nicht zu den ganz großen Contesten zählt, erfreulich hoch.
Einziger kleiner Wermutstropfen: (Zu) viele Russen reden über längere Zeiträume
russisch, was natürlich gerade dann, wenn man zum S & P -Betrieb gezwungen
ist, höchst lästig ist. Man muss dann immer "eine Ewigkeit" warten, bis das
Rufzeichen endlich mal auf Englisch genannt wird. Die deutschen Spitzencontester
haben daher beim RDXC inzwischen fast ausnahmnslos einen russisch sprechenden OP
im Team.
Nun wäre es natürlich übertrieben zu behaupten,
dass dieser Erfolg einer überragenden Strategie zu verdanken gewesen wäre. Ganz
und gar nicht. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und das hat bei den
Multis geholfen: Unsere Nachwuchscontester hatten überwiegend so stark mit der
Bedienung der Tastatur und des Logprogramms zu kämpfen, dass weder an das
Durchziehen einer Strategie noch an das sehr stressige CQ-Rufen zu denken
war, zumal das mit nur 100 W SSB und einfachen Antennen wenig Aussicht auf
Erfolg hatte. Wir haben also 90 bis 95% der Zeit S & P (Search and pounce)
gemacht, d.h. die Bänder abgesucht. Da läuft einem natürlich einiges vor die
Flinte....
Die größten Probleme für den Nachwuchs waren sicher
die schnelle und doch entspannte Bedienung der Tastatur und des
Logprogramms. Da hilft nur Übung. Das muss schlafwandlerisch sicher und schnell
funktionieren. Wenn man da bei der Bedienung noch irgendwie nachdenken
muss, dann wird's sehr kritisch!! Als unerwartet schwierig stellte
sich auch das richtige Einstellen der Frequenz heraus. Da wurde manchmal
systematisch um 200 Hz zu hoch eingestellt, meist aber vogelwild mal zu hoch,
mal zu tief und das oft bis zu einem halben KHz. Da hat der "Gegner" natürlich
Schwierigkeiten, uns aufzunehmen. Äußerst schwierig - um nicht zu sagen
unmöglich - war es, mit den Fingern etwas einzugeben - eine Ziffernfolge oder
ein Rufzeichen - und gleichzeitig mit dem Mund einen Text durchzugeben, also
z.B. die eigene Nummer. Ist ja auch wirklich schwierig und ich kämpfe an dieser
Front auch immer noch, speziell, wenn man dann langsam müde wird. Na gut, da
hilft nur, schneller zu schreiben, dann entfällt zunehmend die Notwendigkeit,
duplexen zu müssen....
Höchst erfreulich war die Beobachtung, dass alle
Trainees im Verlauf des Contests dazu lernten.
Vielen Dank an alle Helfer und an die fünf
Trainees, die bis zum Schluss durchhielten. Keine Frage, noch sind die
Spitzencontester nicht bedroht, aber da wachsen neue Wettbewerber
heran.
vy 73 de Rudolf, DJ3WE